Architektur und Kunst
25.02.2010
"Zwischenzonen" – zentrale Aspekte

Unterschiedliche künstlerische Ansätze stehen zur Verfügung, um „ein relevantes Bild über den Zustand der heutigen Welt zu vermitteln“. Darum gehe es bei der Ausstellung, sagt Edelbert Köb, der Kurator der Schau. Es wurden Werke ausgewählt, die sich mit den zeitgenössischen Lebensbedingungen befassen, mit kulturellen Praktiken und sozialen Hierarchien. Natur wird als gefährdete Grundlage, als ungreifbares Sehnsuchtssziel und als Quelle der Schönheit gezeigt.
Durch ihre Autonomie ist Kunst zu Kritik fähig und ermöglicht ein genaues Untersuchen von Phänomenen, heißt es im Katalogtext. Tatsächlich können Kunstwerke unendlich viel mehr Gehalt und letztlich Kenntnisse von realen Lebenswelten vermitteln als vermeintlich objektive Nachrichtensendungen. Ganz abgesehen davon werden künstlerisch oft Phänomene gezeigt, die massenmedial nicht informationswürdig oder verwertbar sind. So übernimmt oft das Kunstvideo von den überbebilderten Nachrichtenformaten den Auftrag einer Realitätsvermittlung.
So etwa „Diamond Sea“, das Porträt eines Teils der Namib-Wüste. Sanddünen, Meer, endlose Weite – seit 1908 für Zivilisten unzugänglich. Hier gibt es riesige Diamantenvorkommen, die mithilfe modernster Technologie ausgebeutet und strengstens bewacht werden. Die VideoÂinstallation von Doug Aitken zeigt neben der unendlichen Weite der Wüstenlandschaft immer wieder auch Bauruinen, Förderbänder und die wilden, schwarzen Pferde, von denen kein „Raub“ zu befürchten ist.
„Los Pasos del enemigo“ konfrontieren einen mit der urzeitlichen Angst vor dem Raubtier, einer fürchterlichen Menge scharfer Reißzähne. Miguel Calderon provoziert instinkthafte Reflexe der Angst, führt das Raubtier als Zeichen der imaginären Grenze von Wildnis und Zivilisation vor.
Einen anderen Aspekt der Einteilung von Zivilisation und noch nicht Adaptierten offenbart ein Video Santiago Sierras. 111 Tzotzil-Frauen, die nur Maya sprechen, hat er dafür bezahlt, einen Satz auf Spanisch zu lernen und zu sprechen, der Sprache also, die für sie den Übergang und die Teilhabe an gesellschaftlichem Aufstieg, und eben auch Hierarchie bedeutet.
Minerva Cuevas‘ Video „Not impressed by civilisation“ zeigt eine Nacht im Nationalpark, inklusive ihr selbst und der Tiere, die vor die Kamera laufen: das Aufeinandertreffen von Natur und Kultur. Marcela Astorgas „Asado masoquista“, ein Grillrost mit Lederriemen, verbindet Essens- und Lebensgewohnheiten mit sozialem Verhalten. Sie verweist auf die Gewalt der Fleisch- und Lederindustrie Argentiniens durch Waldrodung, Überzüchtung und Umweltverschmutzung.
Viel Widersprüchliches und Beachtliches steckt in den Werken, viel Zeit sollte man sich nehmen, um sie ein wenig zumindest zu erkunden. In der Heraushebung aus dem Alltäglichen, Dokumentarischen steckt auch ein beträchtlicher Teil Poesie.
Susa Karr




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