Architekturmanagement
07.04.2010
(be)ständig immer anders
BEHF zählt zu den erfolgreichsten heimischen Architekturbüros. Seit der Bürogründung vor zwölf Jahren verfolgen die drei Protagonisten Susi Hasenauer, Stephan Ferenczy und Armin Ebner an der Spitze ihres mittlerweile mehr als 80 Köpfe zählenden Teams kontinuierlich ein Ziel: sich als zuverlässiger und kompetenter Partner in der Projektplanung- und abwicklung zu positionieren. Erfolgsrezept gibt es keines, dafür aber jede Menge individualisierte und maßgeschneiderte Konzepte. BEHF lässt sich eben in kein Korsett zwängen – weder gestalterisch noch konzeptionell.
Ihr habt euch in den vergangenen zwölf Jahren kontinuierlich und sehr erfolgreich als eines der größeren heimischen Architekturbüros etabliert. Ist dieser stete Erfolg das Ergebnis einer gezielten strategischen Planung oder eine glückliche Fügung?
Armin Ebner: Ein wenig Glück gehört immer dazu. Wir hatten aber damals, als wir mit unserem Büro starteten, tatsächlich eine gewisse Vorstellung bzw. ein Konzept, wie wir uns organisieren wollen. Unser Ziel war es, eine Größe zu erreichen, die es uns überhaupt erst ermöglicht, bei gewissen Projektgrößen und Auftragsvolumina mitspielen zu können. Zum Glück haben wir diesen Durchbruch gleich mit unserem ersten Auftrag für Libro Österreich geschafft und somit eine „kritische Masse“ an Mitarbeiterkapazität erreicht, die uns viele Chancen und Möglichkeiten auf weitere, größere Aufträge eröffnet hat. Gleichzeitig haben wir Kompetenz und Kapazität als die zwei wesentlichen Parameter für unsere Arbeit definiert.
Viele junge Büros sind beim Start mit der Büroorganisation völlig überfordert. Wie hat das bei euch funktioniert – gerade auch vor dem Hintergrund eines sehr schnell wachsenden Unternehmens?
Susi Hasenauer: Wenn man das Ziel hat, eine gewisse Größe zu erreichen, ist es von immensem Vorteil bzw., glaube ich, sogar unumgänglich, dass man wirtschaftliches Denken und eine gewisse Leidenschaft fürs Organisieren mitbringt. Eine Leidenschaft, die wir alle drei teilen. Das nötige Organisations- oder Management-Know-how kann man sich aneignen, und das wächst natürlich auch mit zunehmender praktischer Erfahrung. Auch das Architekturstudium, obwohl es eine durchwegs theoretische Angelegenheit ist, hilft einem da weiter. Was man nämlich wirklich lernt, ist Gedanken zu entwickeln und diese in Dreidimensionalität bzw. in weiterer Folge in Realität umzusetzen. Genauso ist es auch bei der Büro- oder Unternehmensorganisation. Ab einem gewissen Mitarbeiter- und Projektvolumen muss man in Strukturen denken, man kann nicht mehr so leicht improvisieren wie ein Kleinbüro. Neben der Architektur war damit das Organisationsmanagement von Anfang an ein Thema für uns. Wenn man für Auftraggeber mit großen Geldsummen hantiert, dann muss das eigene Büro auch als Referenz herhalten können, und man muss zeigen, dass man die Organisation im eigenen Unternehmen im Griff hat.
Wie viel Zeit bleibt da noch für die Architektur?
Stephan Ferenczy: Ich war einmal der Meinung, ich mache kaum noch Architektur. Das stimmt aber nicht. Man muss den Tag mit 24 Stunden rechnen – schlafen und träumen gehört also auch dazu. Selbst wenn wir nicht gerade mit dem Bleistift an unserem Schreibtisch sitzen, heißt das nicht, dass wir nicht ein Projekt im Kopf haben und gedanklich daran arbeiten, entwerfen oder uns über die Umsetzung Gedanken machen.
Gibt es innerhalb eures Dreierteams eine festgelegte Aufgaben- oder Kompetenzverteilung?
S. H.: Die gibt es selbstverständlich. Das ist der wesentliche Vorteil einer Partnerschaft, dass jeder unterschiedliche Vorlieben und unterschiedliche Begabungen mitbringt. Armin Ebner und Stephan Ferenczy sind mehr in der Architektur verankert und teilen sich die Bereiche Wohnbau bzw. Handelsarchitektur auf. Projekte, die sich nicht so einfach zuordnen lassen, werden aufgeteilt. Ich konzentriere mich auf Organisation und Finanzen. Dabei ist es wichtig, dass für jeden Kernbereich auch einer der Eigentümer verantwortlich zeichnet. Damit sind die wesentlichen Bereiche auf einer hierarchischen Ebene angesiedelt. Das macht vieles einfacher.
Ihr bearbeitet im Moment an die knapp 160 Aufträge parallel. Wie viel BEHF steckt denn da noch in jedem einzelnen Projekt?
S. F.: Armin und ich reklamieren uns in jeden Auftrag als Gestalter und Entwerfer hinein. Wir sind keine Architekturmaschine, wo irgendwo am Ende einer undurchschaubaren Produktionskette Pläne ausgespuckt werden. Wir kennen jedes unserer Projekte. Das halte ich für extrem wichtig.

Architektonisches Farbenspiel beim Einkaufszentrum„eo – erlebe Oberwart“.
Im Unterschied zu vielen eurer Kollegen setzt ihr bei der Auftragsakquisition kaum auf Wettbewerbe. Warum?
S. F.: Wir haben unseren Schwerpunkt von Anfang an auf Direktvergaben gelegt. Wir wollen uns bei unseren Auftraggebern als Partner in der Projektabwicklung bewerben und nicht als Wettbewerbsbeitragslieferanten. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch an Wettbewerben teilnehmen. In der kategorischen Ablehnung von Wettbewerben hat man keine Chance, sich am Markt zu behaupten. Sprich an Wettbewerben, zu denen wir eingeladen werden, nehmen wir natürlich auch teil. Die Einladung selbst zeigt ja bereits ein grundsätzliches Interesse an der Charakteristik unserer Architektur bzw. Arbeitsweise. Und im Wohnbau, beispielsweise bei Bauträgerverfahren, kommt man um den Wettbewerb ohnehin nicht herum. Aber an ganz freien Wettbewerben nehmen wir nicht teil. Das ist uns zu unpersönlich.
Das heißt netzwerken und Kontaktpflege sind also wesentliche Geheimnisse eures Erfolges?
S. F.: Jein – das klingt immer so, als müsste man mit den Leuten einen heben gehen, und dann läuft alles andere von allein. Eine gute Flasche Rotwein, ein nettes Kaminfeuer und eine Zigarre sind sicherlich kein Fehler. Am Ende zählen aber trotzdem Inhalt und Leistung. Und damit können wir in der Regel auch punkten. Wir sind heute wesentlich weiterentwickelt als vor zehn Jahren und können andere Projektdimensionen bewältigen. Unter anderem deshalb, weil wir uns die vergangenen Jahre gute Teams aufgebaut haben. Das macht uns auch als Partner für Projekte in wesentlich größeren Dimensionen interessant. Von der Gesinnung her sind aber wir die Gleichen geblieben: verlässlich und genau. Was die Erfahrung betrifft, haben wir uns natürlich weiterentwickelt.
Ihr habt vor einigen Jahren mit großem Erfolg auch den Schritt ins Ausland gewagt.
A. E.: Eigentlich haben wir lange damit gewartet, ins Ausland zu gehen, weil wir sehr großen Respekt davor hatten und nichts überstürzen wollten. Der Sprung – vorerst nach CEE – ist uns damals mit der Mobilkom gelungen. Es ging darum, die Mobilkom-Tochter in Kroatien planerisch zu betreuen. Wir haben damals bei der Architektenkammer um Unterstützung und Rat gefragt, wie man denn als österreichisches Architektenteam einen sicheren Schritt ins Ausland setzen könnte. Die Kammer hat spontan ihre Hilfe zugesagt, dann aber relativ lange Zeit nichts mehr von sich hören lassen. Der Notwendigkeit gehorchend haben wir schließlich doch alles selbst geregelt. Irgendwann kam dann schließlich doch noch ein Anruf von der Kammer, die mit der Bitte an uns herangetreten ist, über unsere Erfahrungen im Ausland zu berichten, weil wir ja doch schon eine ganze Weile als Planer vor Ort seien und sie diesbezüglich Anfragen bekommen hätten. Ausschlaggebend über Erfolg oder Misserfolg ist unserer Ansicht nach das Auftreten. Man darf den Schritt in ein anderes Land nicht wie eine Invasion angehen, sondern als Gast. Das heißt mit etwas Zurückhaltung und einem gewissen Respekt. Und man braucht unbedingt lokale Partner vor Ort. Es gibt aber kein allgemein gültiges Kochrezept, in jedem Land funktioniert es ein bisschen anders. Wir haben allerdings den Eindruck, dass man als österreichisches Architekturbüro recht gern gesehen ist – vor allem in den CEE-Ländern. Das mag möglicherweise an der monarchistischen Vergangenheit liegen. Deutsche Kollegen haben es beispielsweise wesentlich schwerer, Fuß zu fassen, weil sie anders auftreten und auch ein anderes Image haben. Das liegt aber in der Regel nicht so sehr an den Architekten, sondern eher an den Unternehmen, in deren Begleitung und als deren Partner man auftritt. Sympathie und Vertrauen sind eine wesentliche Voraussetzung, ob ein Projekt überhaupt erst zustande kommt und dann auch gut abläuft.

The Waltz – Wohnbauprojekt in Manila/Philippinen, Baubeginn: 2008.
S. H.: Wir sind bislang immer nur mit österreichischen Auftraggebern ins Ausland gegangen. Allein auch schon deshalb, weil wir preislich natürlich überhaupt nicht mit CEE-Gagen konkurrieren können. Bei Auslandsprojekten brauchen wir damit also unbedingt Auftraggeber oder Bauherren, die bereit sind, den Mehrwert, den wir ihnen bieten können, auch zu bezahlen.
Und die Zukunft? Worüber sprechen wir in zehn Jahren?
A. E.: Das diskutieren wir bisweilen selbst immer wieder. Unsere vorrangigen Ziele in puncto Kompetenz, Kapazität und Auftreten als vertrauensvoller Partner haben wir umgesetzt. Sprich, im Moment sind wir mit der Situation, wie sie ist, nicht unzufrieden. Und das, was wir bislang erreicht haben, wollen wir natürlich auch nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen. Es stellt sich immer die Frage, welches Risiko man einzugehen bereit ist, um als Unternehmen oder Organisation noch einmal ganz anders zu werden. Wir haben dank unserem breiten Planungsportfolio, dem Mix aus internationalen und nationalen Projekten und unserer Tätigkeit sowohl in der Planung als auch in der Umsetzung noch gewisses Potenzial, das wir weiterentwickeln und ausbauen wollen. Im Grunde kann es jedem immer noch besser gehen. Damit meine ich nicht in erster Linie in finanzieller Hinsicht, sondern in Bezug auf Sicherheit und Lebensqualität. Wir haben über 80 Mitarbeiter. Es geht also auch darum, dafür zu sorgen, dass deren Honorare pünktlich bezahlt werden, dass sie ein Arbeitsumfeld haben, in dem sie gerne und gut arbeiten können, und dass wir Aufträge akquirieren können, die Spaß machen. Dieses soziale Miteinander macht auch die Lebensqualität aus. Es ist uns bei der Gründung dieses Büros nicht nur zwingend darum gegangen, Architektur umzusetzen, sondern mit dem Beruf des Architekten auch eine Art des Lebensstils zu pflegen, der in diesem Kontext auch Sinn und Freude macht.
Ihr seid also durchwegs zufrieden?
S. F.: Zufrieden wirkt so selbstgefällig. Wir haben Spaß an dem, was wir machen und wie wir es machen. Der Mix an Aufgaben, Kunden und Mitarbeitern, auf den wir blicken, ist sehr ausgewogen. Im Grunde haben wir eine Struktur, die wir pflegen wollen. Dazu gehört selbstverständlich auch eine Weiterentwicklung.
S. H.: Die ersten Jahre oder besser die ersten zehn Jahre waren für uns verdammt hart. So lange dauert es aber nun einmal, bis halbwegs was da ist, worauf man aufbauen kann. Wir verfügen jetzt über ein Portfolio an Projekten, das sich sehen lassen kann, und über eine Basis, die es gilt, höchst aufmerksam zu warten, und Potenziale, die wir ebenso aufmerksam nutzen müssen. Das ist heute ein wesentlicher Teil unserer Arbeit.
(Redaktion: Tom Cervinka, Architektur und Bauforum)




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