IG Architektur | von Tom Cervinka
02.07.2010
IG-Architektur schafft Raum
Nach Jahren der „Obdachlosigkeit" eröffnet die Interessengemeinschaft der Architekturschaffenden (IG Architektur) ihren neuen Vereinssitz in der Wiener Gumpendorfer Straße. Das 240 Quadratmeter große Ecklokal bietet ausreichend Raum für ein vielfältiges, über die Grenzen der Architektur hinausgehendes Veranstaltungsprogramm.
Seit der Gründung der IG Architektur im Jahr 2002 waren deren Protagonisten darauf angewiesen, für Vorträge und Veranstaltungen Unterschlupf bei Mitgliedern, Partnern und Freunden zu finden. Planungsmeetings fanden in aller Regel im Kaffeehaus statt, diskutiert wurde vorrangig über die Mailingliste der IG-Homepage. Lediglich ein Einmannsekretariat in der Wiener Gumpendorfer Straße stand als administratives Headquarter zur Verfügung.
Im Jahr 2006 machte man sich auf die Suche nach einem Ort der Begegnung und des Austauschs, der ausreichend Platz für die zahlreichen Aktivitäten und Veranstaltungen sowie für die notwendige Büroinfrastruktur bieten sollte. Das Objekt der Begierde fand sich im eigenen (?) Haus in der Gumpendorfer Straße. Anfang 2009 mietete die IG Architektur das freigewordene Gassenlokal und startete mit der Erstellung eines Kriterienkatalogs für die Adaptierung der Räumlichkeiten und mit der Planung. Entgegen dem ursprünglich geplanten Wettbewerb initiierte eine Gruppe von IG-Mitgliedern einen kollektiven Entwurfsprozess. Das Projekt „IG schafft Raum" nahm zusehends Gestalt an, und die Planungsgruppe splittete sich in Bauherrenvertreter und Planer. Mit der Anmietung weiterer Räumlichkeiten – einem ehemaligen Lager und einer aufgelassenen Hausbesorgerwohnung – erhöhten sich auch die Anforderungen an die Planergruppe und die Bauherrenvertreter. Vor allem Letztere mussten die Finanzierung des erweiterten Raumprogramms und den Umbau sicherstellen. Auf rund 180.000 Euro belief sich die ursprüngliche Kostenschätzung für den Umbau. Durch die Erweiterung der Fläche stiegen die Gesamtkosten inklusive Beleuchtung und Möblierung auf 250.000 Euro.
Nachdem die erhoffte Unterstützung durch die Stadt Wien in Form eines direkten Baukostenzuschusses nach mehreren Anläufen ausblieb und auch die Banken keine Kreditbereitschaft für den Verein zeigten, drohte das Projekt zu scheitern. Die IG beharrte jedoch auf den Umbau und suchte nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten. Im Vertrauen auf die Solidarität von Mitgliedern, Freunden und Sponsoren wurde die Planung weiter vorangetrieben. Unternehmen aus dem Architekturumfeld wurden eingeladen, sich am Umbau zu beteiligen, und werden im Gegenzug in der Veranstaltungsplanung mitberücksichtigt. Mitglieder und Freunde wurden gebeten, den Umbau in Form von Mikrokrediten in einer maximalen Höhe von 5.000 Euro und einem respektablem Zinssatz von vier Prozent bei einer Laufzeit von sechs Jahren oder nach Bereitschaft auch zinsfrei zu unterstützen. Mehr als 20 Sponsoren folgten dem Aufruf und spendeten in Form von Geld- und Sachwerten insgesamt 130.000 Euro. Rund 90.000 Euro konnten von knapp 30 privaten Kreditgebern über die Mikrokredite lukriert werden. Die restlichen 30.000 Euro konnte die IG-Mannschaft aus den Eigenmitteln des Vereins decken.
Mitte Juni setzte die IG dem jahrelangen Nomadendasein endgültig ein Ende und präsentierte ihre neuen Räumlichkeiten. Für die Detaillierung des Entwurfs und die Ausführungsplanung zeichnet mit Plov ZT, ein junges Architektenteam, verantwortlich. Informationen zum Veranstaltungsprogramm finden sich online unter www.architektur-bauforum.at oder auf der Homepage der IG Architektur.




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