30.01.2012
Studieren mitten in der Stadt
Mitten in der Innenstadt entsteht zurzeit das neue Universitätszentrum Uni Wien Rossau. Die Bautätigkeiten laufen auf Hochtouren – mit dem Studienjahr 2013/2014 sollen an der Rossauerlände rund 2.500 Studenten der Wirtschaftswissenschaften und Mathematikwissenschaften der Universität Wien Platz finden.
Das Gebäude auf der Rossauerlände wurde zuletzt von der Pensionsversicherungsanstalt genutzt. In Zusammenarbeit mit der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien wurde eine spezifische Umnutzung des bestehenden Projekts beschlossen: Weg von einem Bürogebäude und hin zu einem neuen Standort für Forschung und Lehre, der Uni Wien Rossau. Platz finden werden die Fakultäten für Wirtschaftswissenschaften und Mathematik. „Ein Markenzeichen der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien ist ihre quantitative Ausrichtung, die von der Nähe zur Mathematik starke Impulse bekommen wird. So soll auch ein gemeinsames Zentrum für Finanzmathematik entstehen.
Die mathematische Spieltheorie, die in Wien durch Oskar Morgenstern begründet wurde, ist für die Wirtschaftswissenschaften von großer Bedeutung", beschreibt Rektor Heinz W. Engl den fachlichen Hintergrund. Der Name des Projekts verweist auf die Intention des Bauherren und der Nutzer: Alle Zielgruppen werden angesprochen, Studierende, Mitarbeiter für die Wissenschaft und Administration wie auch die Öffentlichkeit. Die Arge Maurer-Neumann+Partner konnte 2010 den Wettbewerb für die Generalplanung für sich entscheiden. Bauherr ist die Rossauer Lände 3 Immobilienprojektentwicklungs GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien. Der Nutzer, die Universität Wien, mietet das Gebäude von der Immobilienprojektentwicklung GmbH.
Der Gebäudekomplex besteht im Wesentlichen aus dem Bauteil A mit dem Hochhaus mit zwölf Obergeschoßen und dem Sockelbau in der Türkenstraße 3, Berggasse 34 und Hahngasse mit sechs Obergeschoßen. Das bestehende Gebäude wird komplett generalsaniert, Unterrichtsräume, Hörsäle und Labors für ca. 2.500 Studierende, Arbeitsplätze für ca. 650 Fakultätsangehörige wie auch eine Bibliothek und Mensa werden errichtet. Bestehende Bauteile im Hof wurden abgerissen und durch Neubauteile bis ins dritte Obergeschoß bebaut. Die Haustechnikzentrale oberhalb der Hörsäle reicht bis ins sechste Obergeschoß. An der Hochhausfront zur Rossauer Lände werden ein außen liegendes Sicherheitstreppenhaus wie auch zusätzliche Büroräume errichtet. An der Hahngasse – dem Bauteil D – werden zwei neue, notwendige Fluchttreppenhäuser mit jeweils verschränkten Läufen angebaut.
Städtebaulich dominant
Das Bürogebäude mit dem Y-förmigen Gesamtgrundriss wurde 1955 von Architekt Franz Schuster geplant, seine Intention war eine städtebauliche Dominante neben dem Ringturm zu schaffen. Die Arge Maurer-Neumann+Partner erhält Schusters Grundidee. „Die Gestaltung des Hochhauses sieht an den Längsseiten eine vorgehängte Fassade aus grauen Faserzementplatten vor. Der Zubau wird somit in das Erscheinungsbild integriert. Die bestehende Lochfassade des Hochhauses und die dadurch entstandene Horizontalität der Fassade bleiben erhalten", erklärt Stefan Töplitzer, Projektleiter der Arge Maurer-Neumann+Partner. An der Stirnseite zur Rossauer Lände wird eine hinterlüftete, zweischalige Glasfassade mit spiegelbedampften, teilweise bedruckten Glaselementen ausgeführt. Diese Elemente sind teilweise beweglich bzw. für Wartungszwecke zu öffnen.
Das zurückgesetzte 12. Obergeschoß bildet den oberen Abschluss des Gebäudes. Im Erdgeschoß des Hochhauses werden großflächige Verglasungen für Transparenz und Öffentlichkeit sorgen. Der Charakter des Sockelbaues bleibt durch die hellgraue Putzfassade jedoch erhalten, ebenso wie auch die grundlegende Dimension des Gebäudes. In den von den Studenten genutzten Geschoßen werde Erker als sogenannte „Stadtfenster" ausgeführt – der Sichtkontakt mit der Stadt wird bewusst betont. Zudem wird die Kommunikation forciert: „Um die räumliche Qualität und die Atmosphäre der Innenbereiche zu verbessern, wird in den studentisch genutzten Geschoßen jeweils ost- und westseitig an einem Punkt der Gangbereich zu einer Studentischen Aufenthaltszone geöffnet", so die Architekten. Die neu errichteten Treppenhäuser werden mit einer bedruckten Glasfassade, im Erscheinungsbild analog zur Stirnseite vom Hochhaus, ausgeführt. Wichtiger Aspekt bei dem architektonischen Konzept: „Der Bestand bleibt mit unserem Entwurf ablesbar, eine Identifikation über das gesamte Gebäude ist somit gewährleistet", erläutert Architekt Heinz Neumann – ein Umstand, der auch den Bauherren überzeugte.
Mehrere Bauteile
Vasko+Partner agiert bei der Uni Wien Rossau als Örtliche Bauaufsicht, Baukoordinator und Prüfingenieur, Richard Krösswang, Projektleiter Vasko+Partner, beschreibt die Herausforderung: „Die Immobilie wurde 1955 errichtet und seitdem mehrmals umgebaut und erweitert – kein einfaches Unterfangen hier ein gesamtheitliches Konzept zu finden. Doch der Architektenentwurf fügt die einzelnen Bauteile in ein harmonisches Ganzes zusammen. Unsere Aufgabe besteht darin, alle am Bau beteiligten Unternehmen ebenso stimmig zueinander und miteinander zu führen – bis dato läuft das Projekt gut und wir sind im Zeitplan."
Im derzeitigen Innenhofbereich (Bauteil E) sollen zusätzlich ein Hörsaal für 400 Studierende wie auch drei weitere kleinere Hörsäle für 200 Personen, ein Hörsaal für 100 und ein Hörsaal für 80 Personen errichtet werden. Damit wird eine Gesamtnettogeschoßfläche von knapp 30.000 Quadratmeter geschaffen. Die Architektur wird dem Anspruch des Bauherren zukunftsgerichtet zu bauen, gerecht: „Die Flächen werden so gestaltet, dass auch künftig räumliche Expansions- und Entwicklungsmöglichkeiten umsetzbar sind", erklären die Architekten.
Der Haupteingang für die studentischen Nutzungen ist in der Hahngasse. Das, dem Haupteingang direkt angeschlossene Foyer dient als Verteiler: Der große Hörsaal (400 Personen) kann so direkt erreicht werden. Die Erschließungsachsen zu den weiteren Bereichen im Erdgeschoß sind durch zwei neue, seitlich angeordnete Stiegen erreichbar. Diese neuen Stiegen führen auch zu den Bestandsstiegen 3 und 8, über welche man zu den Erschließungsachsen der anderen Bauteile in den Obergeschoßen kommt. Beide Bestandsstiegen haben einen, in der Spindel errichteten, bestehenden Aufzug.
Das barrierefreie Erreichen der Obergeschoße ist vom Foyer aus mittels zweier, neu errichteter, Aufzüge möglich. Die bestehende Durchfahrt zwischen Hochhaus und Sockelbauwerk wird geschlossen, um einen attraktiven Eingangsbereich mit entsprechender Verteilungsfunktion entstehen zu lassen. Im Foyer wird eine Bankfiliale und eine Portierloge inklusive Backoffice eingerichtet. „Um eine effektive Flächennutzung in den studentisch genutzten Geschoßen zu gewährleisten, werden die neu errichteten Stiegen als ineinander verschränkte Stiegenhäuser errichtet", so das Konzept.
Energetische Totalsanierung
Neben der bautechnischen Sanierung des Bestandes wird auch eine energetische Sanierung durchgeführt. Das Projekt wird aus technischer Sicht lebenszykluskostenoptimiert errichtet. Neben der kostenoptimierten Sanierung wird es eine Facilitymanagement-Steuerung geben. „EDV-unterstützt wird das Gebäude kontinuierlich technisch visualisiert, womit der Nutzer die Betriebskosten wie auch die nötigen Erhaltungsarbeiten ständig überblicken kann. Das energetische Konzept wird zum einen mit einer Wärmeversorgung durch die Fernwärme und zum anderen mit einer Kälteversorgung über Fernkälte umgesetzt. In den studentischen Bereichen erfolgt die Kühlung mittels Kühldecken in den Bürobereichen über Deckenkühlgeräte. Durch eine Gesamtsteuerung mittels der MSR-Anlage wird eine der Nutzung angepasste Optimierung des Energiebedarfs erreicht", erklärt Krösswang.
Die Einrichtung und Ausstattung der Uni Wien Rossau wird nach den neuesten ergonomischen Gesichtspunkten erfolgen, der neueste Stand der Technik wird zur Verfügung gestellt. Mit Hilfe der neun Aufzüge wird das Gebäude komplett barrierefrei gestaltet – inklusive Leitsystemen für Blinde und Gehörlose. Durch die bereits bewährte Zusammenarbeit zwischen der Universität Wien und der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien wurde auch das Projekt Uni Wien Rossau ermöglicht. Darüber hinaus trägt Raiffeisen Niederösterreich-Wien zum Ausbau der Studierendenservices der Universität Wien über die Beratungsstelle Student Point bei und ist Hauptsponsor des Alumni-Verbands. Raiffeisen Niederösterreich-Wien unterstützt zudem das Projekt Student Space.
„Wir bauen gemeinsam Zukunft. Denn mit den baulichen Veränderungen und einer adäquaten Ausstattung wird für Studierende ein Umfeld geschaffen, das den Anforderungen eines Universitätsgebäudes des 21. Jahrhunderts entspricht", erklärt Erwin Hameseder, Generaldirektor der Raiffeisen-Holding und Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien.







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